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Die Wilhelm Horn-Story

Eine moderne Leipziger Legende:
1923 gründete Wilhelm Horn in Leipzig seine legendäre Branntwein- und Likörfabrik. Fortan wuchs diese mit zahllosen Filialen und einer erstaunlichen Produktpalette gemäß dem Slogan „Wein und Korn – Stets von Horn” zu einer festen Größe in Mitteldeutschland. Er schuf für über 100 Menschen Arbeitsplätze. Eine Party ohne Horn? Undenkbar!

Nach dem rasanten Aufstieg

In den 20er Jahren folgte der vorübergehende Niedergang in der DDR der 70er Jahre. Das riesige Potential an echter Leipziger Tradition wurde 2005 durch die Wilhelm Horn Markenspirituosen GmbH entdeckt, zu neuem Leben erweckt und im Bayerischen Bahnhof angesiedelt.

Kult damals – Kult heute!

Heute steht Wilhelm Horn wieder für hochwertige Spirituosen – ungewöhnlich und lecker, traditionell und modern. Typisch Leipzig eben: Die Party ist hier, Du bist herzlich eingeladen! Klein Paris? Leipzig ganz groß!

Der Ursprung des Allaschs

Der Name des Allaschs ist eine Herkunftsbezeichnung: Seit 1823 stellte die Familie von Blanckenhagen auf ihrem Rittergut Allasch bei Riga Kümmellikör her, der schnell sehr begehrt war und bald in großem Umfang hergestellt wurde. Lieferungen erfolgten bis nach Russland, in die Vereinigten Staaten sowie nach England und seinen Kolonien. Allasch wurde zum weltweiten Begriff für würzigen Spirituosengenuss.
Nach der russischen Revolution und der Unabhängigkeit Lettlands enteigneten die neuen Machthaber den deutschen Grundbesitz. Deshalb musste die Familie von Blanckenhagen ihre Allasch-Produktion nach Schwerin in Mecklenburg verlegen. Hier existierte ihre „Baltische Likörfabrik“ bis zum Jahr 1944, danach verlieren sich die Spuren.

Der Allasch kommt nach Leipzig

Schon im Jahr 1830, also nur sieben Jahre nach dem Beginn der Produktion in Lettland, wurde davon berichtet, dass Handelsleute das Rezept nach Leipzig brachten. Das zeigt, wie groß damals die Bedeutung der Messestadt als Drehscheibe des Handels war. Der Kümmellikör erfreute sich hier bald großer Beliebtheit und wurde von mehreren Unternehmen hergestellt. Besonders zugute kam dem Allasch, dass er hervorragend zu einer weiteren Leipziger Spezialität passte, die aus Goslar „zugewandert“ war: zur Gose. Der gemeinsame Genuss der beiden Getränke fand schon bald den Begriff „Regenschirm“. An der Wende zum 20. Jahrhundert gehörte der Allasch zu Leipzig wie die Lerchen und das Allerlei. Ab 1926 wurde der auch von der Firma Wilhelm Horn unter dem Namen „Echter Leipziger Allasch“ hergestellt.

Wilhelm Horn:
Eine Legende lebt auf

Die Zeiten waren nicht einfach, als Wilhelm Horn am 26. Januar 1923 eine Branntwein- und Likörfabrik in der Leipziger Menckestraße eröffnete. Seine Wiege hatte im weinseligen Rheinland gestanden, nun versuchte er, die Messestädter mit seinen köstlichen Getränken Freude zu bereiten, ihnen die sorgenvollen Stunden des Lebens zu erleichtern, die frohen Tage verschönern zu helfen und für alle besonderen Anlässe des Daseins ein willkommener Begleiter zu sein. Stehvermögen wurde dem Firmengründer von Anfang an abverlangt, denn die galoppierende Inflation im Geburtsjahr des Unternehmens stellte das Leben auf den Kopf, machte eine klare Disposition und eine übersichtliche Organisation nahezu unmöglich.
Die Ausgangslage für Wilhelm Horn war äußerst bescheiden: Ihm standen lediglich die eigene Arbeitskraft und ein Handkarren zur Verfügung. Umso erstaunlicher ist sein beherztes Herangehen an das Unternehmen. Vielleicht ließ er sich dabei vom Geist Schillers inspirieren, der nur wenige Schritte von der Menckestraße 44 entfernt einst seine „Ode an die Freude“ gedichtet hatte.

Wilhelm Horn –
eine beeindruckende Erfolgsgeschichte

Die Erfolgsgeschichte von Wilhelm Horn ist beeindruckend. Nur wenige Monate nach dem Geschäftsstart zog das Unternehmen bereits in die Innenstadt, an den Johannisplatz 15. Und schon 1924 wurden in der Sidonienstraße 51 im Leipziger Süden und in der Gundorfer Straße in Lindenau Verkaufsfilialen eröffnet. Die Nachfrage nach Horn-Produkten war zuweilen so groß, dass sich vor den Geschäften Schlangen bildeten. Und kurz vor Weihnachten musste oft die Polizei den Verkehr vor den Ladentüren regeln.
Bereits 1927 zog das Unternehmen in die Arndtstraße 33 um, weil man vor allem Lagerkapazität benötigte. Kein Wunder, bei 29 Verkaufsstellen allein in Leipzig. Hinzu kamen Niederlassungen in Weißenfeld, Oschatz, Dresden, Wurzen, Naumburg, Halle/Saale und Meißen. Im Jahr 1933 verfügte das Unternehmen über 45 Niederlassungen und 150 Verkaufsstellen in ganz Mitteldeutschland und gehörte damit zu den großen deutschen Likör- und Branntweinproduzenten. Die neue Zentrale befand sich nun in der Wilhelmstraße, weil das alte Domizil schon wieder zu klein geworden war. Es erscheint faszinierend, dass sich dieser Aufstieg in einer Zeit vollzog, die vielerorts von Niedergang und wirtschaftlicher Not geprägt war.

Das Sortiment –
eine Welt des Genusses

Wilhelm Horn wusste zu seiner Zeit, was seine Kunden mögen. Er legte ein ganzes Repertoire an Weinen, Likören und Branntweinen auf, in dem jeder seine Favoriten fand. Ob „Horn-Diktiner“, „Mokka-Likör“, der Edel-Doppelkorn „Drei Horn“ oder die „Edelmarke extra“, Getreidekümmel, Pfefferminz oder Wacholder – mit seinen Spezialmarken traf der junge Unternehmer ins Schwarze. Dazu kamen Fruchtsaftliköre von erlesenem Geschmack, der legendäre Horn-Wermutwein und natürlich das breite Angebot qualitativ hochwertiger Weine, vornehmlich von Rhein und Mosel. Besonders beliebt waren die Tropfen aus Traben-Trarbach und Zell. Und natürlich die „Hörnleins“, kleine Flaschen Sekt, die für die Leipziger zu Silvester einfach dazugehörten.

Die Marke Wilhelm Horn

Von Anfang an betrieb Wilhelm Horn das, was man heute „Marketing“ nennt, mit großer Geschicklichkeit. Dazu gehörte auch ein einprägsames Warenzeichen, eine Marke. Und was lag da näher als ein Horn? In blauer Farbe wurde es auf orangenem Grund dargestellt. Und dazu gesellte sich der Spruch: Wein und Korn – stets von Horn.
Von Anfang an setzte das Unternehmen auf den Massenkonsum. Das Angebot richtete sich mitnichten nur an das vermögende Publikum, sondern auch an die Kunden mit kleinem Geldbeutel. Die Werbebotschaft war von Anfang an klar: Nach des Tages schwerer Last ist es ein Vergnügen, sich beim Genusse eines Produktes aus dem Hause Horn zu entspannen. In dieser Volkstümlichkeit liegt sicher das Erfolgsgeheimnis der Firma.

Horn-Weinstuben
in der Arndtstraße

Angesichts des großen Erfolges seiner Produkte war es Wilhelm Horn im Jahr 1931 möglich geworden, in der Arndtstraße 33 quasi einen Erlebnisbereich für Horn-Liebhaber zu schaffen: die Horn-Weinstuben. Hier waren alle Erzeugnisse des Hauses in voller Üppigkeit zu genießen, zusammen mit guter Küche und zu zivilen Preisen – die „Appetithappen“ etwa kosteten lediglich 10 Reichspfennige incl. Bedienungsgeld. Das geschmackvoll eingerichtete Lokal mit Jägerzimmer, Schiffer- und Bauernstube sowie zahlreichen Bildern von Rhein und Mosel entwickelte sich zu einer der führenden Gastwirtschaften des Leipziger Südens. Auch in diesem Bereich hatte Wilhelm Horn ein glückliches Händchen.

Das Firmen-Herz
in der Wilhelmstraße

Ab 1931 schlug das Herz der Firma Wilhelm Horn in der Wilhelmstraße (heute Prellerstraße). Das markante Gebäude, das mit seinem Turm und den Zinnen an eine mittelalterliche Burg erinnerte, war sozusagen der Verkehrsknotenpunkt des Viertels. Vor allem kurz vor Silvester gab es ständige An- und Abfahrten der Hornschen Fahrzeuge, die die begehrte Ware überall verteilten. Auf dem Hof herrschte lebhaftester Verkehr: Lieferfahrzeuge rangierten, Kunden holten ihre Ware ab. Hunderte von leeren und vollen Flaschen standen in großen Ansammlungen bereit. Im Keller des Gebäudes gab es riesige Lagerräume, in denen der Wein lagerte – braune Flaschen vom Rhein und grüne von der Mosel. Aber auch fränkische Bocksbeutel, dicke Bordeaux-Flaschen und „Bouteillen“ aus dem Burgund waren hier zu finden, ebenso wie edle Tropfen aus Italien, Griechenland, Portugal und Ungarn. Die Spirituosen der Hornschen Spezialmarken füllten in unabsehbarer Reihe die Regale, ebenso wie Kognaks, Champagner, Schaum- und Branntweine. Obstwein, Fruchtsäfte und Mineralwasser ergänzten das Angebot im Lager. Weit über eine halbe Million Flaschen hatten in den Kellern der Wilhelmstraße Platz – hinzu kamen natürlich noch etliche Weinfässer und ungefähr eine Million Korken. Die Korkmaschinen ratterten unverdrossen, zu manchen Zeiten wurden pro Tag rund 10.000 Flaschen verkapselt und etikettiert.
Wäre das Trinken keine Kunst und Wissenschaft, so dürfte es auch nur einerlei Getränk auf Erden geben, so, wie das unschuldige Wasser schon diese Rolle spielt. Aber der Geist der Natur versenkt sich, auf lieblich-anmutige Art wechselnd, hier und dort in die Rebe. (Ludwig Tieck)

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